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Bepflanzung

Was ist am Obstlehrpfad gepflanzt?

Alle am Obstlehrpfad vertretenen Pflanzen wurden, wie bereits oben erwähnt, nach einem in der Botanik gebräuchlichen System gegliedert und aufgepflanzt. So stehen z. B. nicht alle Obstunterlagen oder alle Wildformen beieinander, sondern alle Vertreter der Wildformen, verwandte Arten und Unterlagen einer Art wurden jeweils in einer Obstgruppe bzw. deren Untergruppe zusammengefasst.

Zu der großen Ordnung der Rosengewächse (Rosales) zählen alle Vertreter der Obstgruppen Kernobst und Steinobst, die Himbeeren, Brombeeren und deren Verwandte, sowie die Wildrosen. Die Verwandten der Stachel- und Johannisbeeren zählen zu den Steinbrechgewächsen (Saxifragaceae - Ribesiaceae). Vom Schalenobst gehören die Walnüsse und deren Verwandte der Ordnung der Walnüsse (Juglandales), die Edelkastanie und die Haselnüsse der Ordnung der Buchengewächse (Fagales-Cupuliferae und Fagales-Corylaceae) an.

a) Obstgruppe Kernobst

Die Obstgruppe Kernobst wurde in die Pergamentgehäusegruppe und Steinapfelgruppe gegliedert. Kennzeichen der Pergamentgehäusegruppe ist die Ausbildung eines pergamentartigen Gehäuses, das normalerweise aus fünf Fächern (Fruchtblättern) besteht. Bei der Steinapfelgruppe ist das Kernhaus dick und steinhart. Die Zahl der Samenfächer ist mit Ausnahme der Mispel (5) auf 1 bis 2 reduziert. Die Früchte sind mit Ausnahme der Mispel klein und werden als Steinfrüchte bezeichnet.

aa) Pergamentgehäusegruppe
Die Gruppe beginnt mit 3 Holzapfelbäumen. Der Holzapfel darf als Ausgangsform des Apfels, der seine Heimat und sein natürliches Verbreitungsgebiet in Europa hat, angesehen werden. Es folgen 3 Apfelwildlinge aus reiner Absaat (Bittenfelder). Die Baumschulen verwenden heute sortenreines Saatgut, um möglichst gleichmäßige Wildlinge zu bekommen. Die daran anschließenden Apfeltypenunterlagen wurden einheitlich von der Baumschule Burgmer in Straelen (Niederrhein) bezogen. Apfeltypenunterlagen werden vegetativ, d. h. durch Stockausschläge (Abrisse) vermehrt und weisen somit stets die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze auf. Sie werden hauptsächlich für die kleineren Baumformen (Busch, Hecke, Spindelbusch, Pillar) verwendet.

Folgende Typenunterlagen sind angepflanzt:

  • Malustypen
    M 1, M 2, M 4, M 7, M 9, M 11, M 25, M 26
  • MM-Typen
    MM 104, MM 106, MM 109, MM 111

Dazu der schwedische Typ A 2.

Die Wildformen Malus baccata und Malus prunifolia konnten leider nicht beschafft werden. Vom Johannisapfel (Malus pumila), aus dem durch Kreuzungen viele Apfelsorten stammen, konnte nur die weiterentwickelte Sorte ‚Orange' gepflanzt werden. Dafür stehen in diesem Bereich 2 Zierapfelsorten, nämlich Malus moerlandsii ‚Liset' und Malus purpurea ,Aldenhamensis'.
Es folgen die Birnenunterlagen, und zwar der Birnenwildling und die Quitte. Hier stehen auch fünf Weißdorn, die früher teilweise als Birnenunterlage verwendet wurden, die aber von der Systematik her zur Steinapfelgruppe zählen.
Mit dem Apfel eng verwandt sind die Eber-eschen, von welchen ein Sortiment mit 8 ver-schiedenen Arten gepflanzt ist. Hervorzuheben sind 3 Speierlinge (Sorbus domestica), die in Deutschland nur noch selten zu finden sind. Den Abschluß bilden 3 Felsenbirnen (Amelanchier canadensis).

ab) Steinapfelgruppe:
Recht interessant ist ein Mispelsortiment aus 5 verschiedenen Sorten. Die Mispeln zieren sich durch ihre Blüten und die Früchte. Die Früchte werden da und dort noch zur Verbesserung des Apfel- oder Birnenmostes verwendet. Daran schließen sich verschiedene Weißdornarten an (Pflaumenblättriger Dorn, Scharlachdorn, Hah-nendorn, Rotdorn), die in Gruppen zu je 5 Pflanzen stehen. Schließlich folgt eine Hecke von dem landläufig bekannten Weißdorn (Cra-taegus monogyna) und eine Feuerdornhecke (Pyracantha coccinea ,Kasan').

b) Obstgruppe Steinobst

Die Obstgruppe Steinobst ist gegliedert in Mandelgruppe, Pflaumengruppe und Kirschenuntergruppe. Bei allen Arten entstehen die Früchte als einsamige Steinfrüchte. Das Fruchtfleisch der Ver-treter der Mandelgruppe ist behaart; bei der Pflaumengruppe ist es glatt und öfter beduftet. Bei den Süßkirschen kommen die Blüten in ganzen Büscheln aus besonderen Knospen.

Mandelgruppe
Hier sind Mandeln, Pfirsiche und Aprikosen aufgepflanzt. Von allen 3 Arten wurden Sor-ten gepflanzt, da Sämlingsbäume kaum erhält-lich sind. Vom Standort her finden alle 3 Arten keine optimalen Bedingungen mehr; das Klima ist zu rauh und der Boden zu schwer, so dass hier mit Baumausfällen zu rechnen sein wird.

Pflaumengruppe
Anstelle der Wildpflaumen sind hier wurzel-echte Zwetschen und wurzelechte Mirabeilen ge-pflanzt. Als Vertreter der Renekloden wurde die ‚Große Grüne Reneklode' gepflanzt, die von den heutigen Edelsorten noch am ehesten der Ursprungsform entspricht. Als wilde Verwandte steht der Schwarzdorn (im Volksmund Schlehe genannt) an dem Lehrpfad.

Folgende Pflaumenunterlagen sind vorhanden: Ackermannpflaume (Marunke), Bromptonpflaume, Myrobalane (Sämling), St. Julien-Pflaume, Wangenheims Sämling. Die meisten Zwetschen-, Pflaumen-, Mirabellen- und Reneklodenbäume werden in den Baumschulen auf diese Unterlagen veredelt.

Kirschenuntergruppe
Hauptunterlage und gleichzeitig die Wildform der Kirschen ist die Vogelkirsche, von der 3 Hochstämme am Anfang der Kirschenuntergruppe gepflanzt sind. Danach stehen 3 Vogelkirschen des Typs F 12/1, der vegetativ vermehrt wird. In der Forschung und Züchtung von Unterlagen für kleine Baumformen spielt die Steppenkirsche (Prunus fruticosa) eine große Rolle, die mit einigen Exemplaren anschließt. Es folgen Sauerkirschensämlinge und Steinweichsel (Prunus mahaleb) als Wildformen und Unterlagen für die Sauerkirschen. An Verwandten sind außerdem noch die Traubenkirsche (Prunus padus), die spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) und der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) angepflanzt.

c) Obstgruppe Schalenobst

Als landläufig bekannte Vertreter stehen hier Walnuss und Haselnuss, dazu kommen die Schwarznuss (Juglans nigra), die Flügelnuss (Pterocaria fraxinifolia) und eine Walnuss-Verwandte (Juglans ailantifolia Carr.var.cordiformis). Besonders großkronige, hohe Bäume ergeben die Schwarznüsse, aber auch die Walnüsse können zu stattlichen Bäumen heranwachsen. Der Vollständigkeit halber sind auch 3 Edelkastanien, die ebenfalls zur Schalenobstgruppe zählen, gepflanzt. Sie finden an dem Standort nicht mehr die wärmeklimatischen Voraussetzungen für ein optimales Wachstum. Vielleicht gelingt es aber, die Art über einen gewissen Zeitraum zu erhalten. Alle Vertreter der Schalenobstgruppe gehören zu den einhäusigen Pflanzen. Die männlichen Blüten sind als Kätzchen (Windblütler!) deutlich sichtbar, die weiblichen Blüten dagegen sind klein und unscheinbar.

d) Obstgruppe Beerenobst

Folgende Arten sind angepflanzt.

  • Zur Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae-Ribesiaceae) zählend: Goldjohannisbeere (Ribes aureum), Alpenjohannisbeere (Ribes americanum), Johannisbeer-Verwandte (Ribes alpinum)
  • Zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae-Rubeae) zählend: Gemeine Brombeere (Rubus fruticosus), Gemeine Himbeere (Rubus idaeus), Wohlriechende Himbeere (Rubus odoratus)

Die Goldjohannisbeere (Ribes aureum) dient dem Baumschuler als Unterlage zur Heranzucht von Stachel- und Johannisbeer-Fuß-, Halb- und Hochstämmchen. Zur Gewinnung der Veredlungsunterlagen für Beerenstämmchen werden einjährige Triebe von Mutterpflanzen der Goldjohannisbeere aufgepflanzt, die später in der gewünschten Kronenhöhe durch. Anplatten veredelt werden. Im Landschaftsgartenbau wird die Alpenjohannisbeere (Ribes alpinum), die auch zur flächigen Begrünung geeignet ist, viel verwendet. Ribes americanum, eine Johannisbeerverwandte, fällt durch eine besonders schöne Herbstfärbung auf.

Bekannter für den Laien sind die Gemeine Brombeere und die Himbeere. Sie sind bei uns heimisch und wachsen öfters an Waldrändern und Lichtungen wild. Zusammen mit der wohlriechenden Himbeere (Rubus odoratus), die durch ihre großen, rosaroten, schalenförmigen Blüten auffällt, zählen sie wie das Kern- und Steinobst zu der großen Ordnung der Rosengewächse.

e) Wildrosen

Sie gehören eigentlich nicht zum Obst, obwohl aus den Hagebutten das sehr vitaminreiche, wohlschmeckende Hägenmark bereitet wird. Wegen ihrer engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Kern- und Steinobstarten und ihrer Eignung zur Anpflanzung in der freien Landschaft wurde der Obstlehrpfad mit einem Sortiment von 10 verschiedenen Wildrosen ergänzt. Wie beim Kernobst haben auch die Wildrosen eine fleischige Blütenachse (das sogenannte Hypantheum). Beim Kernobst ist die Samenzahl gering und das Fruchtfleisch dominiert; Wildrosen besitzen dagegen viele Samen und nur ein dünneres Fruchtfleisch. Das angepflanzte Wildrosensortiment reicht von der kleinblütigen Hundsrose (Rosa canina) bis zu Rosa moyesil, einer dunkelrot blühenden Sorte mit 5-6 cm breiten Blüten.

Wildrosen zieren nicht nur durch ihre Blüte, sondern auch durch ihre Früchte. Wegen ihrer Stacheln eignen sie sich auch als Vogelschutzgehölz. Sie sollten noch viel öfters angepflanzt werden, als das zur Zeit geschieht. ihre Vermehrung erfolgt durch Samen; einige Wildrosensorten werden als Unterlage für die Garten- -und Parkrosen verwendet.

Um eine entsprechende Wirkung zu erzielen, wurden pro Sorte 20 Stück gepflanzt. An dem Standort ist die schottische Zaunrose (Rosa rubiginosa) besonders gut an- und weitergewachsen. Auch die Kartoffelrose (Rosa rugosa) und die Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) haben sich gut entwickelt. Von Rosa virginiana wurde der junge Austrieb die ersten Jahre nach der Pflanzung vom Wild mit Vorliebe abgebissen. Nach Anbringung eines leichten Schutzzaunes waren die Sträucher rasch hochzubringen. Auch die Hundsrose (Rosa canina) und Rosa multiflora wurden vom Wild stärker verbissen.

Pflanzenkarte des Obstlehrpfades

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Pflanzenkarte Teil 1
Pflanzenkarte Teil 2